Das FESTA della Madonna del Lume
Aktualisiert: vor 6 Stunden
Rund um den ersten Sonntag im Oktober ist unser Fischerdorf Porticello im Ausnahmezustand, wenn es Spielort für ein traditionsreiches, lebendiges, buntes aber auch ernsthaftes und ehrfürchtiges Fest wird.

Jedes noch so kleine Dorf auf Sizilien hat eine Schutzpatronin oder einen Schutzpatron zu deren Ehre einmal jährlich ein großes Fest gefeiert wird - diese Tradition ist sehr alt und hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Heilige oder Beschützer gab es für Kirchen, Städte, Regionen aber auch für Gemeinschaften wie zum Beispiel Berufsgruppen, oder weil man sie mit einem bestimmten Ereignis in Verbindung brachte.
In Porticello ist die Schutzpatronin Madonna SS (Santissima) del Lume, was übersetzt soviel wie "Heiligste Maria des Lichts" bedeutet - hier hat man Maria, die Mutter Jesu, unter diesem besonderen Titel zur Schutzpatronin gewählt. In Porticello hat die Madonne del Lume eine ganz besondere Bedeutung für die Fischer - Der Legende nach fanden Fischer beim Einholen der Netze das Bildnis der Madonna del Lume im Meer.
Dass die Verehrung der Madonna del Lume als Beschützerin des Meeres und der Fischer gerade in Porticello noch besonders tief und ernsthaft verwurzelt ist, liegt bestimmt daran, dass die Fischer, die auch heute noch nachts auf dem schwarzen Meer unterwegs sind, besonderen und unberechenbaren Gefahren durch Wind und Wetter ausgesetzt sind.
Porticellos Kirche Maria SS del Lume ist während der Festtage prächtig geschmückt. Die Namensgeberin der Kirche schmückt auch Häuser und Schiffe.
Bereits Ende September beginnen die Vorbereitungen, die Häuser, Straßen und Kirche Porticellos werden geschmückt und beleuchtet.
Am ersten Oktoberwochenende beginnen die Festlichkeiten - jeweils um 7 Uhr werden die Tage mit Kanonenschüssen, den "Alborata" begonnen, in manchen Jahren gibt es sogar ein religiöses Programm mit Lichterprozession ab 5 Uhr und einer ersten Messe um 6 Uhr. Tagsüber ziehen immer wieder Tambourinspieler und Musikkapellen durch die Straßen, wobei immer Kinder beteiligt sind.
In der Regel samsatgs und sonntags nachmittags um 15 Uhr findet das spaßige "Gioco dell'Antinna a mari" statt, bei der sich das ganze Dorf im Hafen versammelt. Auf einem langen Holzbalken, der immer wieder neu eingefettet wird, kann man versuchen bis zum Ende zu gelangen und dort eine Fahne zu erhaschen - in der Regel fällt man aber zuvor vor der versammelten Dorfgemeinschaft ins Wasser. Am Sonntagabend wird ein Sieger geehrt. Das Spiel ist typisch für sizilianische Fischerorte und auch bei den Patronatsfesten u.a. in Cefalù, Aspra und Terrasini ein fester Programmpunkt.
Der zentrale religiöse Festtag und auch der emotionalste Moment des Festes ist die "Dicese del quadro". Am Montag nach dem ersten Oktoberwochenende um 15 Uhr wird das Bildnis der Maria SS del Lume in der gleichnamigen Kirche vom Hochaltar herunter gehoben und über den Köpfen der dicht gedrängten Gläubigen von Hand zu Hand durch die Kirche gereicht. Menschen versuchen, das Bild zu berühren, zu küssen oder ein Taschentuch daran zu halten. Es fließen Tränen, vor Ergriffenheit und auch, weil in diesem Moment an Verstorbene und ausgewanderte Familienangehörige gedacht wird, die diesen Festtag nicht mit der Familie in Porticello verbringen können. Nachdem das Bild auf der "vara", der Tragebahre befestigt wird, beginnt der Brauch der "offerta dei bambini alla Madonna": Eltern reichen ihre Kinder, auch Säuglinge, nach vorne, damit sie unmittelbar an das Bild der Madonna herangehalten werden, um sie in deren Schutz zu stellen.

Gegen 17 Uhr verlässt die Madonna auf einer Tragebahre begleitet von Glockengeläut und Musikkapellen die Kirche. Die sehr schwere Vara wird von vielen Männern auf den Schultern getragen - traditionell gehen sie barfuß, tragen hellblaue Kleidung und ein rotes Halstuch. Die immer wieder stockende Prozession mit einer großen Menschenmenge führt über den Lungomare in die Bucht Santa Nicolicchia, wo das in der Legende überlieferte Auftauchen des Marienbildes aus dem Meer begleitet von Musik und Feuerwerk nachgestellt wird, bevor die Prozession die Tragebahre am späten Abend wieder zurück in die Kirche bringt.
Das Marienbild im Hafenbecken von Santa Nicolicchia bliebt während der Festwoche im verankert. Einige Menschen legen auch Blumenkränze ins Wasser.
Die folgende Festwoche wird Ottavia genannt - es gibt Gottendienste, Gebete und kleine Prozessionen. Nebem dem religiösen Fest findet in der ganzen Woche ein Volksfest statt - am Piano Steditore, dem Lungomare direkt unterhalb der Casa America, gibt es Verkaufsstände mit Süßigkeiten. Auf langen Metallzylindern, aus denen dicke weiße Rauchschwaden aufsteigen, werden Esskastanien (Caldarroste) geröstet. In Richtung der Cocktailbar, hinter dem Fischerhafen, sind kleine Fahrgeschäfte wie ein Karussell für Kinder aufgebaut.
Am zweiten Sonntag im Oktober ist der zweite Höhepunkt und Abschluss des Patronatsfestes: das Marienbild wird bei der Processione a mare auf dem Wasserweg zur kleinen Kapelle der Madonna del Lume gefahren!
Die Vorbereitungen beginnen bereits am Samstagabend: das Bildnis wird aus der Kirche in einer kleinen Prozession zum mercato Ittico, der Fischmarkthalle getragen. Die Markthalle wird in dieser Nacht zum Andachtsraum, sie bliebt die ganze Nacht geöffnet, es gibt eine Nachtwache und die Menschen kommen und beten. Dass der Fischmarkt diese Rolle bekommt, hebt die Verbindung der Maria SS del Lume zu den Fischern besonders hervor.
Am Sonntag Vormittag finden mehrere Messen in der Fischmarkthalle statt, am Nachmittag beginnt die zweigeteilte Prozession: um 15.30 Uhr beginnt die "Processione via terra" zu Fuß von der Kirche Maira SS del Lume zur Kapelle vor dem Capo Zafferano, während parallel um 16 Uhr das Marienbild von der Markthalle in den Hafen getragen und dort vor vielen Zuschauern auf ein Fischerboot geladen wird, das zuvor per Los gezogen wurde. Begleitet von vielen anderen Fischerbooten fährt es bei der "Processione a mare" ebenfalls zur Kapelle der Maria del Lume, wo etwa 17 Uhr beide Prozessionen, die zu Land und die zu Wasser, zusammentreffen. Die Boote versammeln sich auf dem Wasser, die Laufenden an Land und es folgen Gebete und eine religiöse Ansprache, die Segnung des Meeres und Gedenken an die, die auf See verstorben sind.
Im Anschluss wird das Bild auf dem Landweg zurück zur Kirche getragen und bei der "Salita del Quadro" etwa um 19 Uhr wieder auf seinen Platz auf dem Alter gehoben, wo es für das folgende Jahr verweilen wird bis zum nächsten Festa delle Madonna del Lume.
Alle beschriebenen Abläufe können von Jahr zu Jahr etwas variieren, deshalb sollte man immer das aktuelle Jahresprogramm studieren, wenn man an den Veranstaltungen teilnehmen möchte. Man findet das detailierte Programm meist erst recht kurzfristig auf der Facebook-Seite des "Comitato Festeggiamenti Maria Santissima del Lume - Porticello", auf den Homepages "Santa Flavia News" oder "VivaSicilia".
Wer nicht Anfang Oktober in Porticello ist, hat vielleicht die Möglichkeit, ein anderes Patronatsfest zu erleben.
Palermo: "Festino di Santa Rosalia", jedes Jahr von 10. bis 15. Juli, Höhepunkt am 14.7., wenn der Triumphwagen der Santa Rosalia durch die Altstadt zieht
Aspra: "Festa di maria Santissima Addolorata" rund um den 15. September. Prozession durch Aspra mit abschließendem Feuerwerk am 15.9., wie in Porticello Prozession auf dem Meer und das Spiel "Gioco dell'Antenna" an variierendem Terminen rundherum.
Sant'Elia: Festa di Maria Santissima Addolorata di Sant'Elia". Kirchlicher Festtag am 15. September, große Feierlichkeiten meist am darauffolgenden Wochenende. Mit "Gioca dell'Antenna" und "Sagra del Pesce Azzurro" (Fischfest rund um Sardinen und Sardellen).
Santa Flavia: "Festa di Sant'Anna" rund um den 26. Juli. Kleineres Fest. Der Höhepunkt ist die abendliche Prozession mit abschließendem Feuerwerk.
Bagheria: "Festa di San Giuseppe" - der kirchliche Josefstag ist am 19. März, das große Patronatsfest wird aber im Sommer gefeiert, August oder September. Auf dem Programm stehen: feirliche Prozession mit Statue, Umzüge traditioneller Trommler ("Tamburinai di Baarìa), Umzug mit aufwändig bemalten Pferdewagen ("Sfilata dei Carretti Siciliani"), Lebensmittelmarkt mit regionalen Spezialitäten, besonders Sfincione bagharese.
Altavilla Milicia: "Festa della madonna delle Milicia" rund um den 8. September.
Höhepunkt: "Volata degli Angeli": Kinder schweben während der Prozession an Seilen über dem Marienbild und singen der Madonna zu.
Casteldaccia: "Festa di San Giuseppe": Mitte bis Ende August, Prozession ebenso mit "Volata degli Angeli", Trommler, Street Food, Musik und Feuerwerk.
Trabia: "Festa del Santissimo Crocifisso" am letzten Sonntag im September. Umzug mit kostümierten Teilnehmern, die den Fund eines Kruzifixes inszenieren. Ungewöhnliche Tradition "siminzaru": ein Samenhändler wirft währedn Prozession geröstete Kichererbsen Richtung Kruzifix und bittet um Segen.
San Nicola l'Arena: "Festa della Madonna Assunata" am 15. August mit Prozession der Madonna auf Booten übers Meer.
Termini Imerese: "Festa del Beato Agostino Novello" am 19. Mai - Prozession mit Reliquien (körperliche Überreste des Patrons, 1620 per Schiff von Siena nach Termini überführt) begleitet von Bruderschaften und Bevölkerung.
Cefalù: "Festa del Santissimo Salvatore" von 2. bis 6. August. Großes "Gioca dell'Antenna", Prozession am 6. August.
Vorbereitungen zum Patronatsfest zu Ehren der Santa Rosalia in Palermo und das Spiel "Gioca dell'Antenna" in Porticellos Nachbardorf Sant'Elia.















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