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BAGHERIA

Bagheria ist die nächste größere Stadt von Porticello aus und liegt auf halber Strecke nach Palermo. Mit dem Auto fährt man knappe zehn Minuten, mit dem Zug von S. Flavia ebenso. Bagheria hat in den 80er Jahren traurige Berühmtheit erlangt, als die Stadt eine Hochburg der "Casa nostra", Siziliens Mafia, war und eine der drei Städte des sogenannten "Todesdreiecks". Die Stadt Bagheria hat in den letzten Jahren mit kleinen Kulturprojekten und Restaurierungen viel an ihrem Image gearbeitet.

Nur knappe 10 Minuten Fahrt entfernt von Porticello/S. Flavia: die Stadt Bagheria. Direkt am Bahnhof zu finden: das Grafitibild, das im Rahmen eines Projektes zur Aufwertung des Stadtbildes entstanden ist, ausgefallene Pizzakreationen im "Binario 450" und der Palazzo Cutò, der u.a. die städtische Bibliothek enthält und auf dessen Gelände im Sommer Freilichtkonzerte und -events stattfinden. 

Abgesehen von der Villa Palagonia ist Bagheria zwar keine Stadt, die im Reiseführer an erster Stelle steht - aber mit der belebten Einkaufsstraße, netten Bars, einer Reihe an Lebensmittelgeschäften und Restaurants mit typischen sizilianischen Produkten ist sie ein Ort, an dem man echtes authentisches sizilianisches Leben unter Einheimischen erleben kann!

Frische handgemachte Pasta gibt es bei "Nonna Rosa", leckere Brot- und Backwaren in der Traditionsbäckerei "Ragusa". In der Carnezzeria "Tornatore" werden auch die Felle der geschlachteten Schafe verkauft. 

Einst war Bagheria geprägt von prächtigen Villen, die reiche und adlige Palermitaner sich im 17. und 18. Jahrhundert außerhalb ihrer Stadt, entfernt von Lärm und mit Platz für Parks und Jagdgründe bauten. Mit dem Niedergang des sizilianischen Adels (Buchtipp: "Der Leopard" von Giuseppe Tomasi di Lampedusa) wurden die Villen verkauft oder vernachlässigt. In den 1950- und -60er Jahren wurde Bagheria Opfer von unkontrollierten Bauspekulationen durch die Mafia - mitten in Parkanlagen wurden teils ohne Vorschriften und Kontrollen minderwertige Gebäude hochgezogen, die auch heute noch das Stadtbild prägen. Der Kontext der Villen - Zufahrten, Alleen und Blickachsen - wurde zerstört. Große Tore oder Säulen, die ehemals Eingänge zu langen Parkzufahrten waren, sind heute Mahnmale eines verlorenen städtebaulichen Erbes. Das Buch "Bagheria" von Dacia Maraini beschreibt diesen Wandel der Stadt.

Große Tore oder Säulen, die ehemals Eingänge zu langen Parkzufahrten waren, sind heute Mahnmale eines verlorenen städtebaulichen Erbes.

 

Von den ehemals 44 Villen sind noch 33 erhalten. Einige der Villen Bagherias sind in Privatbesitz, andere sind zu besichtigen. Auf jeden Fall anschauen sollte man sich die Villa Palagonia, die als "Villa der Monster" bezeichnet wird! Sie ist mit grotesken Skulpturen bestückt und ein Symbol der exzentrischen Adelskultur. Goethe hat die Villa 1787 während seiner "Italienischen Reise" besucht - sein Urteil über die Villa war allerdings kein besonders positives: "Heute den ganzen Tag beschäftigte uns der Unsinn des Prinzen Pallagonia", die Villa mit ihren Figuren beschrieb er als als "palagonische Raserei" und "Spitzruten des Wahnsinns".​

Villa Palagonia in Bagheria, Sizilien
Spiegelsaal in der Villa Palagonia in Bagheria, Sizilien
Villa Palagonia in Bagheria, Sizilien

​Die Villa Palagonia mit Spiegelsaal und "Monsterfiguren" sollte man auf jeden Fall besichtigen!

Auch die Villa Cattolica ist öffentlich zugänglich, sie beherbergt ein Museum mit moderner und ethnologischer Kunst. Im Inneren der Villa ist von der ursprünglichen Ausstattung allerdings leider nicht mehr viel erhalten. 

Villa Cattolica in Bagheria, Sizilien
Villa Cattolica mit angrenzender ehemaliger Industrieanlage in Bagheria, Sizilien

Die Villa Cattolica grenzt an eine ehemalige Zementfabrik - ein für Bagheria so typischer Clash zwischen ehemaliger Pracht und städtebaulicher Sünde, der hier aber fast schon einen besonderen Charme hat. 

In Bagheria findet man eine gute Auswahl an Restaurants mit authentischer regionaler Küche. Wir sind besonders gerne im "Da Dario", wo es leckere typisch sizilianische Speisen gibt. Originell ist ein Abendessen in der Trattoria "Don Ciccio": vom Kellner persönlich bekommt jeder Gast eine Papierserviette umgehängt und als Appetizer gibt es einen süßen Zibibbo-Likör und ein gekochtes Ei. Im "Binario 450" gibt es modern interpretierte Pizzen und im hübschen am Meer gelegenen Vorort Aspra gibt es gehobene Küche mit frischem Fisch im Restaurant Rino, das man von außen kaum wahrnimmt. 

Trattoria "Don Ciccio"in Bagheria, Sizilien
Typisch sizilianische Speisen bei "Da Dario" Villa Cattolica in Bagheria, Sizilien

Uriges Ambiente der Trattoria "Don Ciccio" und typisch sizilianische Vorspeisen bei "Da Dario" - Bagheria bietet viele Möglichkeiten, die regionale Küche kennenzulernen!​

 

Besonders hübsch ist der am Meer gelegenen Stadtteil Aspra: hier baden zwischen bunt bemalten Fischerbooten und Fischern, die ihre Netze flicken, Kinder am Sandstrand. Wenn die Sonne hinter dem Monte Pellegrino bei Palermo versinkt, wird das Meer oft in spektakuläre Farben getaucht. Deshalb ist Aspra für uns der beliebteste Ort für einen "Sundowner", etwa einen Bellini oder einen Aperol Spritz. Am Besten ist also die Reihenfolge: zuerst einen Aperitif mit Sonnenuntergang in Aspra, dann ein Abendessen in Bagheria! Um Aspra zu erreichen, sollte man allerdings einen Roller oder ein Auto haben - denn während man mit dem Zug wunderbar in wenigen Minuten von Porticello aus nach Bagheria kommt, ist Aspra leider nicht dem öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. 

Sundowner in Aspra, Bagheria, Sizilien
Bunt bemalte Fischerboot in Aspra, Bagheria, Sizilien

Perfekt für einen Aperitif: In Aspra gibt es immer einen spektakulären Abendhimmel, wenn die Sonne hinter dem Monte Pellegrino im Meer versinkt!

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