TERMINI IMERESE
Wir halten Termini Imerese für eine wirklich unterschätzte Stadt an der Küste Nordsizilien! Die Stadt mit knapp 25.000 Einwohnern liegt zwischen den Touristenmagneten Palermo und Cefalù, weshalb die meisten Urlauber entweder mit dem Auto oder mit dem Zug daran vorbei fahren, statt den Ort zu erkunden, der in Reiseführern und Blogs keine große Rolle spielt Im 20. Jahrhundert war Termini Imerese geprägt von Industrie - vor allem durch das große Fiat-Werk, das bis 2011 vier Arbeitsplätze geboten hatte. Schon im Mittelalter war Termini Imerese ein wichtiger Handelshafen für Export von Getreide und Olivenöl, auch heute noch hat die Stadt einen wichtigen Güterhafen mit Werften und Reparaturbetrieben. Die Stadt hat sich deshalb nicht zu einem typischen Touristen- und Urlaubsort entwickelt, was sie aber gerade spannend und authentisch macht!
Nachdem der Architekt Antonio Spadafora schon 1604 den Auftrag erhalten hatte, den Dom von Termini Imerese zu planen, wurde er erst nach und nach fertig gestellt, die Fassade erst vor gut hundert Jahren um 1912. Im Inneren befinden sich aber noch Elemente der Vorkirche, so etwa das beidseitig bemalte Kruzifix aus dem Jahr 1484. Vom Vorplatz des Doms hat man einen tollen Blick über den gesamten Golf und auf die Stadt, die am Fuß des Monte San Calogero liegt und ein Gefälle von 80 Metern zwischen Dom und Meer hat.


Der Domplatz beherbergt das Rathaus aus dem 17. Jahrhundert und andere historische Palazzi. Der Kiosk im Liberty-Stil gibt nicht nur ein gutes Fotomotiv ab, sondern verkauft Eis, Espresso und Cappuccino, Cornetti und abends Aperitif und Cocktails.
Die Via Roma mit ihren Treppen aus Meereskieseln im Fischgrätmuster ist eine der schönsten Straßen der Stadt! Sie entstand Ende des 18. Jahrhunderts, ist 300 Meter lang und bietet immer wieder neue Blickwinkel auf den Golf von Termini. Man passiert Gebäude wie das ehemalige Jesuitenkolleg mit Bibliothek und Kapellen, das später jahrzehntelang Gericht und Tribunal beherbergte. Leider ist das Gebäude geschlossen und die Fresken aus dem 18. Jahrhundert können derzeit nur auf Fotos im Internet bewundert werden. Aber auch Querstraßen und andere verwinkelte Gassen, zum Beispiel unterhalb des Doms, sind sehr charmant! Hier findet echtes sizilianisches Leben statt, Touristen sieht man kaum. Es gibt viel Leerstand, viele "A Vende"-Schilder, man sieht aber auch Renovierungsarbeiten. Die Stadt ist übrigens ein kleiner Geheimtipp für noch sehr günstige Immobilienerwerbsmöglichkeiten! Durch immer neue Sichtachsen hat man neue Teilausblicke auf das Meer und den Monte San Calogero, in dem in den Randjahreszeiten recht häufig die Wolken festhängen.
Leider Beides nicht zugänglich und vom Verfall bedroht: das ehemalige Grand Hotel delle Terme und die Kirche Chiesa di Maria Santissima Annunziata
Das Grand Hotel delle Terme war zur Zeit der Belle Époche Treffpunkt der sizilianischen Oberschicht - Adelige und wohlhabende Familien haben hier mehrere Wochen in Kur verbracht, ähnlich wie in Baden-Baden oder Karlsbad, um 1900 fuhren Kutschen, später die ersten Automobile vor dem mondänen Gebäude vor. Mit dem Entwurf beauftragt wurde einer der damals bedeutendsten Architekten: Giuseppe Damiani Almeyda, der damals gerade das Politeama-Theater in Plamero vollendet hatte. Die Thermalquellen, aus denen 43 Grad heißes schwefelhaltiges vulkanisches Thermalwasser tritt, sind auch heute noch unter dem Gebäudekomplex aktiv. Die Bildersuche bei Google zeigt Aufnahmen des herrschaftlichen Innenlebens, traurigerweise ist das neoklassizistische Hotel aber seit 2015 geschlossen und verfällt. Nach einem Rechtsstreit sind Gebäude und die Thermen seit 2024 wieder im Besitz der Stadt, die Einwohner hoffen auf eine Renovierung und Wiederbelebung des geschichtsträchtigen Komplexes. Zuletzt geöffnet im Rahmen eines Tages des offenen Denkmals durch "La vie die testori" wurde das Gebäude im Jahr 2022.
Ebenso leider nicht zugänglich, aber von außen auch sehr schön sind die Kirchen Chiesa di Maria Santissimia Annunziata mit der blau schimmernden Kuppel aus Majolikaziegeln sowie die von außen schlichte Chiesa di Santa Caterina d'Alessandria mit einem bedeutenden Innenleben: ein Freskenzyklus aus dem 15. Jahrhundert erzählt das Leben der heilgen Katharina von Alexandrien. Wie in einem frühen Comic ziehen sich die Bilderreihen entlang der Wände, beschriftet nicht mit lateinischer, sondern mittelalterlicher sizilianischer Sprache, was die Gemälde nicht nur kunst-, sondern auch sprachhistorisch interessant macht! Die biblische Geschichte sollte im Spätmittelalter einfachen Menschen, die oftmals nicht lesen konnten, vermittelt werden. Laut Internet ist die Kirche freitags bis sonntags zu besonderen Öffnungszeiten geöffnet, auch Fotos der Fresken findet man auf dieser Homepage: https://www.scopritermini.it/luoghi/santa-caterina-dalessandria/
Jeden Freitag von 7.30 bis 14 Uhr findet in der Unterstadt von Termini Imerese der mercato del Venerdi statt, auf dem Haushaltsartikel, Kleidung (unter Anderem eine Menge Fake-Markenartikel, unsere 14-Jährige Tochter war begeistert!) und Lebensmittel verkauft werden. Die Stände des Alltagsmarktes ziehen sich über einen großen Bereich in der Nähe des Hafens und ziehen Einwohner aus den umliegenden Orten für ihren Einkauf an.
Hinter dem Freitagsmarkt liegt das Hafengelände Termini Imereses mit stillgelegten und zum Teil sehr hübschen Fabrikgebäuden und Lagerhallen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Sie entstanden, weil Termini Imerese einen gut geschützten Industriehafen hat, in dem seit Jahrhunderten Schiffshandel betrieben wurde. Direkt hinter den Gebäuden liegt der Strand von Termini Imerese - ein Kontrast zwischen Natur- und Industriegeschichte, der vielleicht nicht jeden Urlauber anspricht, aber durchaus seinen Reiz hat!

Als wir im Oktober 2025 in Termini Imerese waren, war es windig und das Meer rau, nicht an Baden zu denken. Wir haben ein Mittagessen im Restaurant "La Laterna" eingenommen. Nur zwischen Einheimischen haben wir vorzügliche Pasta gegessen! Die Preise sind sehr moderat (Penne al Pomodoro 6€, Spaghetti alla Bolognese 8€, Pasta Vongole 16€, Pizzen ab 6€) und in der Auslagetheke liegt frischer Fisch je nach Tagesfang, den man sich zubereiten lassen kann.



Termini Imerese hat eine Jahrtausende alte Geschichte! Der heutige Name setzt sich aus zwei Teilen zusammen: "Termini" leitet sich vom lateinischen Wort für Thermen ab - die heißen Schwefelquellen waren schon in der Antike im gesamten Mittelmeerraum berühmt , denn Herkules soll der Legende nach hier seine Muskeln nach seinen schweren Taten entspannt haben."Imerese" bedeutet "zu Himera gehörend". Die griechische Stadt Himera lag etwa 10 Kilometer östlich vom heutigen Termini Imerese und wurde 409 v. Chr. von den Karthagern zerstört. Die Überlebenden siedelten zu den heißen Quellen um und gründeten Therme Himerenses. Die Reste der alten Stadt Himera sind heute noch zu besichtigen, Infos gibt es hier. 252 v. Chr. eroberten die Römer Termini Imerese - in dieser Zeit entstand ein Amphitheater für 4000 Zuschauer. Leider sind heute nur noch wenige Reste zu sehen, es liegt heute weitgehend unter den heutigen Häusern und Straßen. Wenn man die Via Roma heute hinuntergeht, läuft man die Achse, die die stategisch günstig liegende Oberstadt (sie bot Sicherheit und Weitblick) schon vor 2400 Jahren mit dem Hafen verband!
Termini Imerese ist bekannt für seinen Karneval im Februar, den Carnevale Terminato! Er gilt das als Siziliens ältester Karneval (belegt seit 1876, vermutlich älter). Wahrzeichen sind "U Nanni ca Nanna" ein altes Ehepaar. Es gibt große Umzüge mit kunstvollen Festwagen aus Pappmaché, Musik und Tanz. Weitere besondere Termine im Jahr sind die Karwoche und Ostern, wenn - wie in vielen anderen Städten Siziliens auch - die historischen Bruderschaften begleitet von Blaskapellen mit Karfreitagsprozessionen durch die Altstadt ziehen Am zweiten Sonntag im September findet das Patronatsfest zu Ehren der Schutzheiligen "Madonna delle Catena" statt. Die Madonna wird in einer feierlichen Prozession durch die Altstadt getragen, alles ist festlich geschmückt, es gibt Marktstände und ein großes Feuerwerk am Abend. Am 8. Dezember wird das Fest der Unbefleckten Empfängnis "Immacolata Concezione" gefeiert: drei Madonnen aus den Kirchen Termini Imereses werden in einer feierlichen Prozession über die Via Roma getragen - das religiöse Fest gilt als besonders eindrucksvoll.
Termini Imerese ist von Porticello (Bahnhof S. Flavia) in 28 Minuten mit dem Zug erreichbar - der Bahnhof liegt in der Unterstadt am Hafen und von dort lässt sich die Stadt gut erkunden! Mit dem Auto dauert die Fahrt ebenso eine knappe halbe Stunde, dann empfiehlt sich das Parken auf einem blau eingezeichneten Parkplatz in der Nähe des Doms oder am Hafen in der Unterstadt.































































